Spock's Beard Live - Bierhübeli Bern - 04.10.2005

Band: Spock's Beard

Datum: 04.10.2005

Ort: Bern - Bierhübeli



Review / Kommentar zum Event

Spock's Beard - Oschtis Kommentar

Spock's Beard "Gluttons for Punishment"-Tour

Gleich vorweg, das gibt wohl ein ziemlich langes Review. Einerseits weil dieser Spock's Beard Gig eines der besten Konzerte war die ich je gesehen habe, andererseits hat uns Nick D'Virgilio höchstpersönlich einen grossen Herzenswunsch erfüllt! Aber später mehr dazu...

Um 19h40 kamen wir im Bierhübeli an und trafen auf Nico, der schon auf seine Tickets wartete. Seine Frau Tanja konnte aufgrund der (anderen) Umstände leider nicht ans Konzert kommen. Das Ticket haben wir kurzum für 30 Franken weiterverkauft und gingen hinein. Als erstes trafen wir auf die sympathischen The Bearded-Mitglieder Martin aka Swissbeard und etwas später gesellte sich noch Dave aka Shiberian mit Begleitung zu uns. Kurz darauf traf auch die "Feet Peals"-Delegation sowie die Steiner-Crew ein.

Ungefähr eine viertel Stunde vor Beginn des Konzerts wurden diverse Spock's Beard Instrumental-Passagen ab Band gespielt, was meine Vorfreude - und die Nervosität - schon fast ins unermessliche steigerte. Wenn ich ehrlich bin, eine bessere "Vorband" hätten sich die Jungs nicht aussuchen können Zwinker

Dann ging es los mit "A Flash Before My Eyes". *Gänsehaut*! Die Suite, bestehend aus sieben Songs, total ca. 30 Minuten lang, war bereits die erste Herausforderung für das Publikum. Ein überaus anspruchsvoller Opener, auch für ein Progrock Konzert. Ich wusste ja was auf mich zukam und lies die verschiedenen Stimmungen der Songs auf mich wirken und lies mich einfach mitreissen. Der Sound war m.M.n. perfekt abgemischt und die Lautstärke ideal.

Beim darauf folgenden Medley mit Auszügen aus "The good don't last" und dem kompletten "Strange World" hatte Al einen kleinen Patzer, aber nicht etwa dass er sich verspielt hätte, nein er hat seiner Gitarre beim "rumfummeln" einfach ein paar unpassende Töne entlockt. Aber auch das gehört zu einem SB-Gig einfach dazu! Er selbst amüsierte sich letztendlich fast am meisten über sein Missgeschick.

Als dann die ersten Töne von NWC ertönten war klar, jetzt wird "gehämmert". Schwup, schon war Nick hinter seinem Schlagzeug verschwunden und ein weiterer Höhepunkt der Show kündigte sich an. Jimmy und Nick im Duett und im Duell. Zwei fantastische Drummer auf einer Bühne die Alles geben, mit Leib und Seele dabei sind; wo sonst findet man so was? Nick weiss während der Show mittlerweile mehr mit seinen Händen anzufangen, man merkt jedoch immer noch deutlich, dass es ihn immer wieder zu den Drums zieht. Und wenn grad nichts da ist zum draufhauen, dann spielt er halt wieder ein wenig "Luft-Drums" Grins Jimmy, das "kleine" Energiebündel vermochte einmal mehr zu überzeugen, nur schade dass auf der Bühne im Bierhübeli so wenig Platz war. Im Gegensatz zu den Z7-Gigs ging Jimmy in seiner Ecke - zumindest visuell - leider völlig unter.

Die Cowbell kam diesmal schon bei "NWC" zum Einsatz, als Al während dem Drum-Battle plötzlich damit rumfuchtelte und Nick unter die Nase hielt. Es folgte ein kurzes Getuschel und schon hat Nick bei seinem nächsten Battle-Einsatz locker die Cowbell mit eingebaut. Sah sehr spontan aus diese Aktion.

Weiter ging es mit Auszügen aus "Go the Way you go" und einem coolen Solo von Ryo mit nahtlosem Übergang zu "At the End of the Day". *Wieder Gänsehaut* und für mich ganz klar ein weiterer Höhepunkt des Konzerts. Die hohen Backing Vocals übernahm Jimmy und es klang fantastisch. Ich glaube sogar Nick war an diesem Abend überaus beeindruckt von Jimmys Gesang.

Anschliessend sprach Al ein paar Worte zum Publikum in seiner bekannt gelassenen Art und kündigte für nächstes Jahr eine Soloplatte mit Instrumental-Rocksongs an. Er lies es sich dann auch nicht nehmen, einer seiner Songs zu spielen.

Anschliessend setzten sich Nick und Al auf zwei Barhocker am vorderen Bühnenrand und beglückten uns mit einem Akustik-Set bestehend aus "Carry on", Auszügen aus "The Doorway" sowie dem kompletten "There was a Time".

Als Nick danach eine "Surprise" ankündigte war es um mein Stehvermögen endgültig geschehen und die Knie wurden Butterweich... Als Nick dann fragte "Is Oschti in the house?" war für mich klar was nun kommen würde. Sogleich flüsterte ich meiner Freundin Sandra ein "jetzt musst Du gut zuhören" ins Ohr. Und tatsächlich, Nick nahm seine Klampfe zur Hand, lies sich sein Textbuch bringen und spielte (nur für uns) "Wind at my Back".

Für mich und Sandra wurde dieser Song in den letzten Monaten je länger je mehr zu einem Symbol unserer Beziehung. Wir hatten zwar bereits beschlossen zu heiraten, dieser Entschluss war jedoch eine mehr oder weniger trockene Angelegenheit, eine Entscheidung die im Kopf gefällt wurde. Nun brauchte ich noch etwas fürs Herz und versuchte Spock's Beard dafür zu begeistern, was mir letztendlich auch gelang.

Eine kurze Erklärung zum Hintergrund. "Wind at my Back" ist ein Stück aus der Feder von Neal Morse, enthalten auf dem im August 2002 erschienen Konzeptalbum "Snow". Neal Morse verlies die Band kurz nach der Veröffentlichung von "Snow" aus religiösen Gründen.

Wie es dazu kam: Ca. einen Monat vor dem Konzert habe ich Nick eine eMail geschrieben, ob es denn eventuell möglich sei, mir bei meinem offiziellen Heiratsantrag behilflich zu sein und im Zuge des Konzerts im Bierhübeli "Wind at my Back" zu spielen. Die Antwort dauerte zwar ein Weilchen, aber nach einer Rückfrage meinerseits kam erfreulicherweise eine positive Antwort. Da die Band "WAMB" nicht im aktuellen Repertoire hat bot er mir an, das Stück Solo auf seiner Gitarre zu spielen und für uns zu singen. Er müsse lediglich noch ein paar Dinge mit mir klären. Unter anderem ob ich etwas sagen möchte, wann man sich treffen könnte und an welcher Stelle der Show der Antrag gemacht werden sollte.

In riesiger Vorfreude bedankte ich mich für sein Engagement und beantwortete brav seine Rückfragen. Vor allem wollte ich deutlich machen, dass wir weder auf die Bühne wollen, noch etwas zum Publikum sagen möchten. Es sei ja schliesslich ein Spock's Beard Konzert und nicht eine "Oschti"-Show. Ich bat Ihn darum, den "fragenden" Part zu übernehmen. Er solle doch Sandra direkt ansprechen und fragen, ob sie sich denn wirklich sicher sei "so einen wie mich", der ständig an Konzerten oder vor dem PC rumhängt heiraten zu wollen.

Vielleicht waren meine Mails etwas zu ausführlich oder zu umfangreich, auf jeden Fall hörte ich nach der ersten Kurznachricht nichts mehr von Nick, was meine ohnehin schon allgegenwärtige Nervosität ins unermessliche wachsen lies. Und so kam es, dass ich bis zum Konzert und Nicks Frage "Is Oschti in the house" absolut KEINE Ahnung hatte ob und wie nun meine Anfrage umgesetzt wird.

Auf den Spruch "ob sie sich denn sicher sei" verzichtete Nick letztendlich, eventuell war es ihm zu persönlich oder er hatte Angst, Sandra könnte doch noch "Nein" sagen Grins Und so lies er es gar nicht erst darauf ankommen, meinte lediglich "He will soon mary the lovely girl at his side" und bevor er mit WAMB anfing "so, this is for you".

Anscheinend war die ganze Aktion sogar für die Band eine Überraschung, der Roadie hatte die Barhocker bereits wieder von der Bühne getragen, als sich Nick sein Textbuch bringen lies. Für die Bandkameraden war diese Aktion natürlich ein gefundenes Fressen, der ideale Zeitpunkt für ein wenig „Spot“ und „Hohn“. Umso grösser war dann das Grinsen seiner Kollegen als sich Nick dann an "WAMB" versuchte. "Versuchte" ist jedoch alles andere als abschätzig gemeint, denn er hatte nicht gerade sehr viel Zeit das Stück einzustudieren und wer das Lied kennt weiss zudem dass die hohen Parts eine wahre Herausforderung für jede (Männer-)Stimme sind. Eventuell hätte Jimmy ja diese Herausforderung gerne angenommen, denn wie erwähnt glänzte er bei "At the end of the Day" mit seinen hohen Backing Vocals.

Nun liessen wir uns von Nick mit WAMB verwöhnen, Sandra war vor lauter Begeisterung und Aufregung kurz vor einem Herzinfarkt und der Rest des Konzert kam uns vor als wären wir in einem Film... Und was für einer! Mit "Harms Way", "As long as we ride" und der schon fast obligatorischen, halbstündigen Zugabe "The Light" einer der besten „Streifen“ die wir je gesehen haben!

Viel zu schnell war das Konzert dann auch vorbei, Nick grinste uns noch freundlich an als er von der Bühne ging und ich überlegte kurz ob wir Ihn bereits jetzt ansprechen sollten. Diesen Gedanken haben wir jedoch schnell verworfen, zumindest wollten wir ihm die Zeit gönnen um das total durchnässte T-Shirt zu wechseln und sich kurz auszuruhen und so warteten wir im Konzertsaal einfach mal ab ob sich denn eventuell noch ein Bandmitglied blicken lässt.

Keine 10 Minuten nach dem Gig kam auch schon Al - mit seinem berühmten Grinsen - um die Ecke und wir nutzen die Gelegenheit für ein Foto und eine kurze Unterhaltung, hauptsächlich um ihn auf das geplante Solo-Album anzusprechen.

Kurze Zeit später tauchte auch Nick im Saal auf und wir nutzten die Gelegenheit, uns nochmals ganz herzlich bei Ihm zu bedanken. Die Sprüche wie - "I'm gona kill ya for this" oder "I had to squeeze my balls while singing WAMB" konnten wir ihn nicht wirklich übel nehmen, ganz im Gegenteil, das war der Charme und Witz den ich von ihm erwartet hatte.

Nick wollte sich anscheinend nicht allzu lange im Frontstage Bereich aufhalten, schien aber einer kleinen Unterhaltung nicht abgeneigt und hat uns spontan in den Backstage Bereich eingeladen. Dort begrüssten wir dann Jimmy, Dave und nach der wohlverdienten Dusche auch Ryo. Vorgestellt habe ich mich jeweils als "Oschti", was die meisten auch recht schnell kapiert haben... Eigentlich alle bis auf Ryo, der in seinem japanisch-amerikanischen Dialekt ein mehr oder weniger unverständliches "Hello Oshtli" flüsterte Grins

Nick & Co waren immer noch "im Schuss" und mussten hier noch was regeln und da noch was besprechen. Also warteten wir im Gemeinschaftsraum des Backstage Bereichs. In der Ecke sass jemand "surfend" hinter seinem Laptop und nahm uns zuerst nicht so recht wahr. Irgendwie kam mir das Gesicht jedoch bekannt vor, wollte aber keinen falschen Namen nennen und sagte einfach nur "Hi, I'm Oschti. I think I know you". Etwas verwirrt aber sichtlich amüsiert entgegnete der bekannte Unbekannte "Yes, I'm famous" Grins Am liebsten hätte ich "so, hi Famous" gesagt, versuchte aber dann trotzdem mein Glück mit "you are Rob, aren't you?!". Die Verwirrung schlug in Verwunderung um und er fragte mich woher ich ihn denn kenne. Nach einer kurzen Erklärung kamen wir auf die Tour generell und das neueste Album "Gluttons" zu sprechen, welches er abgemischt hatte.

Anschliessend nutzten wir die Zeit für etwas Smalltalk mit allen anwesenden Band-Mitgliedern und drückten nochmals unsere Begeisterung über den bzw. die Gig(s) sowie die fantastische Musik von Spock's Beard aus. Aufgrund der Hektik im Backstage Bereich und weil wir auf keinen Fall in die Kategorie "nervende Fans" eingestuft werden wollten haben wir uns dann nach ca. einer halben Stunde wieder verabschiedet, da wir den Herren ihre wohlverdiente Ruhe gönnen wollten. Erst im Nachhinein - aufgrund der Aussagen vor Ort und den Kommentaren auf der offiziellen Website - haben wir gemerkt, dass der Fankontakt nach den Konzerten ausdrücklich erwünscht ist und die Jungs von Spock's Beard diese Kontakte sehr schätzen, gerne pflegen und sogar als wesentlichen Bestandteil einer Tour ansehen.

Diese Tatsache, nebst dem Fakt dass uns Nick ein Herzenswunsch erfüllt hat UND die Musik einfach spitzenmässig ist, mach Spock's Beard zur sympathischsten und fantastischsten Band die ich kenne. Wo sonst wird man als "Fan" so ernst genommen, bekommt die Chance einen Heiratsantrag während einem laufenden Konzert zu machen und kann die Band wirklich hautnah erleben?! Nirgends, ausser bei Spock's Beard! Und die Band geniesst es! Die Freude Musik zu machen, 13 Gigs in 14 Tagen zu geben OHNE damit auch nur ansatzweise reich zu werden, das ist doch Idealismus pur. Ein spontanes Statement meinerseits nach dem Gig: "Mann mit dem Sound und dieser Energie müssten die Jungs doch eigentlich ganze Stadien füllen!". Eigentlich wünsche ich den Jungs auch mehr Erfolg, aber wenn ich ehrlich (und ein wenig egoistisch) bin genoss ich die intime Atmosphäre und die Möglichkeit, persönlich mit den Jungs zu sprechen. Ob dies bei einem Gig im Hallenstadion auch so wäre wage ich zu bezweifeln.

Spock’s Beard – eine Band ohne Starallüren, mit unendlicher Freude und Hingebung zur Musik, mit einem grossen Herz für die Fans! Schlicht und einfach „die perfekte Unterhaltung“!

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